Herzlich willkommen auf der Webseite der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Warmensteinach!
Warmensteinach im Fichtelgebirge liegt zu Füßen des Ochsenkopfs, mit 1024 Metern der zweithöchste Berg in Nordbayern. Auf 600 Metern Höhe grüßt die Dreifaltigkeitskirche ins Tal der Warmen Steinach, und bietet einen herrlichen Ausblick über den ganzen Ort.
Unsere Kirche ist täglich für Sie geöffnet von 9:00 bis 16:00 Uhr.
Sie finden hier einen Raum der Stille, zum Nachdenken und zum Gebet.
Karten und Texte und Informationen zur Kirche liegt für Sie bereit.
Dazu ein Gäste- und Gebetbuch.
✨ Wir freuen uns auf euch – Gemeinschaft, Glaube und gute Gespräche!
Herzliche Einladung an alle – kommt vorbei und bringt Freunde mit!
Einladung zum Kinderbibeltag am 18.11.2026
Ein kleiner, großer Schritt von Jürgen Grießhammer
„Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“.
Gesagt hat das Neil Alden Armstrong, US-Amerikaner und Astronaut, bevor er als erster Mensch seinen Fuß auf den Boden des Mondes setzte. Alle Welt hat ihm damals zugehört, als er die letzte Stufe der Leiter aus der Raumkapsel hinunter schritt und – wie in Zeitlupe - auf den Boden des Mondes sprang. Das war 1969. Fast 51 Jahre ist dieses Ereignis jetzt her.
Ich war damals Schüler und saß ab 02.00 Uhr im Wohnzimmer vor einem Schwarz-Weiß-Fernseher - Farbfernsehen gab es zwar schon, aber wir besaßen noch keinen - und habe heute noch die Bilder ganz deutlich vor Augen: Diese Leiter aus der Kapsel der Apollo 11, die Neil Armstrong mit seinen Händen rechts und links umklammert. Der große, runde Helm des Raumanzugs, den er trägt, mit dem Sauerstoffgerät auf dem Rücken. Langsam nimmt er rückwärts Stufe für Stufe den Weg nach unten. Dann der letzte Sprung: Und er steht auf dem Mond.
„Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“.
Der erste Schritt vom Bürgersteig hinunter auf die Straße, um die dann zu überqueren: Für Freddy war das ähnlich. Eigentlich ist das ja ein kleiner Schritt für einen Menschen, der Schritt vom Bürgersteig hinunter auf die Straße. Eher eine Banalität, wirklich gar nichts Besonderes. Nicht vergleichbar mit dem Mond! Für Freddy jedoch verbarg sich hinter diesem Schritt vom Bürgersteig hinunter auf die Straße ein riesiger Sprung in seiner Entwicklung.
Er hatte sein Leben bisher immer nur eingesperrt verbracht. Er war und ist ein „Verrückter“, wie Menschen manchmal, ohne nachzudenken, voreilig sagen. Dabei war und ist er nur ein wenig anders als die meisten. Und verschieden sein ist normal. Freddy war psychisch krank. Häufig zeigte er sich aggressiv, jedenfalls früher. Zeitweise trug er deswegen eine Zwangsjacke und wurde häufig mit Medikamenten ruhiggestellt. Anders, so dachte man, käme man mit ihm nicht klar.
Er hatte in den Jahren hinter verschlossenen Türen verlernt, richtig zu gehen und sich frei zu bewegen. Freddy war in einer geschlossenen Anstalt, in einem Landeskrankenhaus, der Psychiatrie, eingesperrt gewesen, am Rande der Stadt. Er gehörte dann zu denen, die in Zusammenhang mit der Psychiatrie-Reform vor gut 25 Jahren in eine therapeutische Wohngruppe kamen, die den Menschen ein würdevolleres Leben ermöglichen sollten.In solch einer Wohngruppe wohnte und lebte Freddy nun ortsnah. Er wurde in seiner Entwicklung gefördert, aber auch gefordert, so dass man Fortschritte in seinem Verhalten wahrnehmen konnte. Das taten die Menschen, die ihm zur Seite standen, die ihm keine Medikamente einflössten, nur um ihn ruhigzustellen. Und das dauerte natürlich. Unendlich viel Geduld mit Fred musste aufgebracht werden. Und manchmal gab es auch Rückschläge.
Wenn Freddy mochte, durfte er sich frei bewegen und hingehen, wohin er wollte. Und so ging er allein. Er wagte es, nahm allen Mut zusammen und traute sich eines Tages, diesen Schritt hinunter vom Bürgersteig auf die Straße, um sie zu überqueren.
„Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“.

Ein kleiner Schritt war das für Freddy. Ein großer Schritt ist das jedoch in der Entwicklung der Menschheit gewesen - denn um Menschlichkeit, um Menschenwürde ging es ja bei der Psychiatrie-Reform. Die Würde eines jeden Menschen will ich anerkennen. Der Mensch, gleich wie geschaffen, ist Ebenbild Gottes und soll respektiert werden in seiner Besonderheit, ja auch in seinem Anders sein. Es ist normal, verschieden zu sein, Gott sei Dank. Das gilt für alle Menschen, ob mit oder ohne Behinderung.
Heute geht Freddy - wenn er denn möchte – sonntags allein in die Kirche und anschließend manchmal ins Restaurant, um ein Schnitzel zu essen.
Wer hätte gedacht, was aus so einem kleinen Schritt einmal alles werden kann.
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