Gedanken zur Zeit

Angst!?

 

In vielen Geschäften gab es keine Nudeln und andere Dinge  mehr zu kaufen, Klopapier auch nicht. Das war und ist für viele in den Märkten auf Grund der Lücken im Angebot deutlich sichtbar. Auch jetzt hält das teilweise  noch an,  obwohl Politiker und Fachleute immer wieder beruhigend auf die Bevölkerung einwirken.

Hinter diesen Maßnahmen und Reaktionen auf die momentane Lage steckt sicherlich auch Angst. Neben der Angst, sich anzustecken auch die Angst, sich  z.B. im Notfall nicht ausreichend versorgen zu können. Das versetzt viele Menschen in Alarmbereitschaft und sie beginnen, die Gefährlichkeit der Situation abzuwägen und „geeignete“ Maßnahmen zu treffen – vielleicht deshalb „Hamstereinkäufe“,  eher für ein kleines Nagetierchen normal – bei Menschen  äußerst egoistisch, unverständlich, doch leider zeittypisch.

 

Ja, viele von uns haben sicher auch manchmal Angst, z.B. Angst ernsthaft krank zu werden. Da soll bitte keiner drüber lachen und so tun, als würde ihn das nicht berühren. Man hat ja nur sein kleines einziges Leben und jede(r) hängt schon gewaltig am eigenen. Ich wette sowieso, dass  auch die Obercoolen verstohlen kontrollieren, wie hoch die Rate ist, an einer Krankheit zu sterben  und  sich lieber ein paar Mal öfter die Hände waschen als sonst. Ja, ich sorge mich auch, was aus allem werden soll:  Jetzt ganz brisant das Coronavirus, aber auch ständig weltweiter Terror, Börsencrash, der Aufbruch von Geflüchteten, Führungsfiasko in Parteien und Politik. Und über all das hat man beinahe das Klima vergessen. Man konnte und kann sich den beängstigenden Bildern von Mundschutzträgern nicht entziehen, nicht den Zahlenspielen, nicht den beunruhigenden Beruhigungsfloskeln. Und bei dem schrecklichen Geschehen in Hanau wäre diese Beruhigungsversuche, anders als beim Virus, das Allerletzte. Und dann auch noch die brutalen Bilder von der türkisch-griechischen Grenze in der letzten Zeit. Da ist wahlweise von Zehntausenden, Hunderttausenden oder sogar von Millionen die Rede, die sich aufmachen. Man  wird in all das hinein gezogen, ob man will oder nicht. Und das ist es, was mir wirklich Angst bereitet – dieser Sog. Ich habe Angst vor der Angst. Das Virus Angst grassiert, das alle ansteckt und alles infiziert. Doch gegen dieses Virus  hilft eben keine Isolation, im Gegenteil. Man kann sich nicht einbunkern mit seinen Klopapier- und Nudelvorräten nach dem Motto „Rette sich, wer kann!“ und womöglich dabei noch die verachten, die sich vor Krieg und Chaos retten wollen. Das ist eine Illusion, nein eine Dummheit. Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben. Das könnte oder sollte unser  biblischer Lieblingssatz sein in dieser Zeit. Furcht ist nicht gottgegeben. Man hat einen eigenen Entscheidungsspielraum. Man kann sich ihr hingeben oder ihr etwas entgegensetzen, jeder persönlich. Ich will mich von einem anderen Geist lenken lassen. Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Wir sollten uns vom Geist der Kraft leiten lassen. Damit meine ich nicht die kraftmeierische Kraft, die vorgibt, alles im Griff zu haben. Aber ich bin mir sicher, dass viele schon oft gemeint haben:

 

 

Ich schaffe es nicht - und dann doch viel mehr erreichten als er (sie) dachten, vor allem, weil da andere waren, die unverhofft mithalfen und anpackten. Mit der Kraft ist es wie mit der Angst - sie ist ansteckend. Wir wollen uns vom Geist der Liebe leiten und uns nicht verführen lassen zu der Illusion, man könnte sich allein irgendwie schadlos vor den Problemen entfernt halten und auf einsamen Egotrip gehen. Menschen, denen es schlecht geht, die krank werden, die  trauern, fliehen, sind nicht unsere Gegner, sondern ebenso  unsere Mitmenschen. Vielleicht  brauchen wir  von ihnen irgendwann auch Hilfe. Wir sollen uns vom Geist der Besonnenheit leiten lassen und  wissen beileibe nicht genau, was richtig ist und was falsch. Man kann die Geister aber sehr wohl unterscheiden und merkt, wenn da jemand das Virus oder das Leid von Menschen benutzt, um Aufregung oder Ausgrenzung oder Auflage zu steigern. Man erkennt, wenn jemand ein Problem vor seinen Karren spannen will, statt es zu lösen. Wir sollten darauf vertrauen, dass Gott uns mit so viel Vernunft, Phantasie und Klugheit gesegnet hat, dass wir Lösungen finden können. Gemeinsam. Denn auch mit der Besonnenheit ist es wie mit der Angst, sie ist ansteckend. Gottgegeben ist sie nicht - die Angst. Gottgegeben sind Kraft, Liebe und Besonnenheit. Wir sollten sie ergreifen und helfen, dass wir einander damit infizieren – als ansteckende Gesundung.

Das wünsche ich uns allen, auch und gerade jetzt in dieser schwierigen, aber dennoch österlichen Zeit.

 

Jürgen Grießhammer